Inhalt
- Was gehört zur kritischen Infrastruktur?
- Was ist KRITIS?
- Wann gilt etwas als kritische Infrastruktur?
- 1. Systemische Bedeutung
- 2. Schwellenwerte (BSI-KritisV)
- 3. Funktionaler Beitrag
- Die 9 KRITIS-Sektoren im Überblick
- Beispiele aus der Praxis
- Gesetzliche Grundlagen & Schutzkonzepte
- Warum der Schutz kritischer Infrastrukturen wichtiger wird
- Fazit
- Q&A (Deutsch)
Was gehört zur kritischen Infrastruktur?
Was ist KRITIS?
KRITIS (Kritische Infrastrukturen) sind Einrichtungen und Organisationen, die für das Funktionieren des Gemeinwesens essenziell sind. Ein Ausfall oder eine Störung kann zu:
- langanhaltenden Versorgungsausfällen
- erheblichen Beeinträchtigungen der öffentlichen Ordnung
- weitreichenden gesellschaftlichen Folgen
führen.
Wann gilt etwas als kritische Infrastruktur?
Nicht jede Einrichtung mit öffentlichem Nutzen ist automatisch KRITIS. Entscheidend sind:
1. Systemische Bedeutung
Eine Organisation gilt als KRITIS, wenn ihr Ausfall zu erheblichen Versorgungslücken oder Sicherheitsproblemen führen würde.
2. Schwellenwerte (BSI-KritisV)
Je nach Sektor gelten unterschiedliche quantitative Kriterien, z. B.:
- Energie: eingespeiste Leistung
- Krankenhäuser: ≥ 30.000 stationäre Patienten/Jahr
- Wasser: tägliche Fördermenge
- IT: Anschlussleistung von Rechenzentren
3. Funktionaler Beitrag
Auch stark vernetzte oder unverzichtbare Einrichtungen werden einbezogen.
Die Einordnung erfolgt über:
- Selbstidentifikation oder
- Behördliche Einstufung
Mehr dazu im Blog „KRITIS Identifikation“.
Die 9 KRITIS-Sektoren im Überblick
Das BSI definiert neun Sektoren:
- Energie
- Informationstechnik und Telekommunikation
- Wasser
- Ernährung
- Gesundheit
- Finanz- und Versicherungswesen
- Transport und Verkehr
- Staat und Verwaltung
- Medien und Kultur
Jeder Sektor umfasst Einrichtungen, deren Ausfall die Gesellschaft massiv beeinträchtigen würde.
Beispiele aus der Praxis
-
Krankenhaus
Mehr als 30.000 vollstationäre Patienten/Jahr → KRITIS im Gesundheitssektor
-
Rechenzentrum
Anschlussleistung > 3,5 MW → KRITIS im IT-Sektor
-
Lebensmittelgroßhändler
Versorgung mehrerer Millionen Menschen → potenziell KRITIS
Diese Beispiele zeigen: KRITIS betrifft weit mehr als Strom und Wasser – auch Logistik, IT oder Handel können KRITIS-relevant sein.
Gesetzliche Grundlagen & Schutzkonzepte
Wesentliche Rechtsquellen:
- BSI-Gesetz (BSIG) – Sicherheitsanforderungen & Meldepflichten
- BSI-Kritisverordnung (BSI-KritisV) – Schwellenwerte & Sektorzuordnung
- NIS2-Richtlinie – erweitert Sektoren & verschärft Sicherheitsvorgaben
Typische Schutzmaßnahmen:
- Einführung eines ISMS (ISO 27001 oder BSI IT-Grundschutz)
- Durchführung von Risikoanalysen
- Notfallmanagement (BCM) gemäß BSI 200-4
- Sicherheitsrichtlinien, Zugangskontrollen, Schulungen
Warum der Schutz kritischer Infrastrukturen wichtiger wird
Gründe:
- zunehmende Digitalisierung → mehr Angriffsflächen
- Cyberangriffe auf Versorger & Kliniken nehmen zu
- Klimawandel → Extremwetter & Versorgungsrisiken
- geopolitische Spannungen
- Ausbau von NIS2 & KRITIS-Dachgesetz
Resilienz wird damit zur Pflicht – nicht zur optionalen Maßnahme.
Fazit
KRITIS ist das Rückgrat unserer Gesellschaft. Wer versteht, welche Einrichtungen KRITIS-relevant sind, welche Pflichten gelten und welche Risiken bestehen, kann frühzeitig die passenden Maßnahmen ergreifen und die eigene Resilienz stärken.
Q&A (Deutsch)
Was zählt zur kritischen Infrastruktur? Einrichtungen aus Energie, Wasser, Gesundheit, IT, Ernährung, Verkehr, Staat, Medien, Finanzen und Abfallentsorgung, deren Ausfall schwerwiegende Folgen hätte.
Wer legt fest, was KRITIS ist? Die Einstufung erfolgt nach gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach der BSI-KritisV.
Ist jedes Krankenhaus oder IT-Unternehmen automatisch KRITIS? Nein. Nur wenn Schwellenwerte überschritten werden (z. B. > 30.000 stationäre Patienten/Jahr).
Welche Pflichten haben KRITIS-Betreiber? ISMS einführen, Vorfälle melden, Risikoanalysen durchführen, organisatorische & technische Maßnahmen umsetzen.
Ändert sich etwas durch NIS2 oder das KRITIS-Dachgesetz? Ja – mehr Unternehmen werden erfasst, Vorgaben werden strenger und umfassender.

CEO, fuentis AG
Experte für Informationssicherheit, Datenschutz und Risikomanagement mit umfassender Erfahrung in der Beratung von Konzernen und öffentlichen Organisationen. Spezialisiert auf ISO 27001, BSI-Standards und moderne Risikoanalyse-Methoden.