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Aktuelle Entwicklungen und Ausblick zum IT-Grundschutz++
Die deutsche IT-Sicherheitslandschaft steht vor einem historischen Wandel. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) entwickelt mit IT-Grundschutz++ einen völlig neuen Ansatz für Cybersicherheit – weg von statischen Handbüchern, hin zu einem lebendigen, messbaren und automatisierbaren Sicherheitsframework.
Wichtigste Erkenntnisse
- Messbare Revolution: IT-Grundschutz++ macht Cybersicherheit erstmals quantifizierbar durch CIA-Kennzahlen (Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit) und ermöglicht eine objektive Bewertung statt rein subjektiver Checklisten.
- Skalierbare Implementierung: Das 5-Stufen-System (von Basisschutz bis erhöhter Schutzbedarf) ermöglicht eine an Organisationsgröße und Schutzbedarf angepasste Umsetzung – vom Kleinunternehmen bis zur kritischen Infrastruktur.
- Agile Community-Entwicklung: Paradigmenwechsel von jährlichen Editionen hin zu einer kontinuierlichen, GitHub-basierten Weiterentwicklung mit transparenter Community-Partizipation und „Continuous Compliance“.
Der Paradigmenwechsel: Von statisch zu dynamisch
Jahrzehntelang prägten jährliche IT-Grundschutz-Editionen die deutsche Sicherheitslandschaft. Doch die rasante Entwicklung von Cyberbedrohungen, Technologien und Regulierung macht diesen Ansatz zunehmend unzureichend.
IT-Grundschutz++ bricht mit diesem Muster und führt erstmals eine kontinuierliche Weiterentwicklung ein.
Die Vision:
- Cybersicherheit wird messbar und automatisierbar.
- Statt statischer Checklisten entstehen priorisierte, maschinenlesbare Regeln in laufenden PDCA-Zyklen.
- Organisationen können ihre Sicherheitsstrategie datengesteuert optimieren.
Die drei Kernneuerungen von IT-Grundschutz++
1. Das innovative 5-Stufen-System
IT-Grundschutz++ führt ein fein abgestuftes System ein, das Sicherheitsanforderungen nach Organisationsgröße und Schutzbedarf strukturiert:
- Stufe 1: Basisschutz für alle Organisationen gegen häufige Bedrohungen
- Stufe 2: Erweiterte Anforderungen für Kleinunternehmen gegen typische Sicherheitsvorfälle
- Stufe 3: Praxisnahe Sicherheitsmaßnahmen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
- Stufe 4: Umfassende Anforderungen für Bundesbehörden und große Unternehmen
- Stufe 5: Kann-Anforderungen für Situationen mit erhöhtem Schutzbedarf
So entsteht ein skalierbarer Ansatz: Organisationen beginnen mit der passenden Grundstufe und erweitern ihren Schutz schrittweise.
2. Messbare Cybersicherheit durch Kennzahlen
Ein zentrales Merkmal von IT-Grundschutz++ ist die Quantifizierung von Sicherheit. Jede Anforderung erhält Punktwerte entlang der CIA-Triade:
- Vertraulichkeit (Confidentiality)
- Integrität (Integrity)
- Verfügbarkeit (Availability)
Diese Kennzahlen zeigen objektiv, wie wirksam eine Maßnahme bei der Behandlung bestimmter Gefährdungen ist.
- Schwellwerte pro Stufe definieren Zielwerte.
- Der Erfüllungsgrad zeigt den tatsächlichen Sicherheitsstatus.
Erstmals können Organisationen ihren Cyber-Reifegrad wissenschaftlich fundiert messen, Fortschritte nachvollziehbar dokumentieren und Investitionen gezielt dort tätigen, wo sie den größten Sicherheitsgewinn bringen.
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Statt starrer Jahreseditionen ermöglicht das neue System eine kontinuierliche, datengesteuerte Sicherheitsstrategie. Organisationen können:
- ihren Schutzgrad objektiv bewerten,
- Fortschritte quantifizieren
- und Ressourcen dort einsetzen, wo der größte Sicherheitsnutzen entsteht.
Das 5-Stufen-System sorgt gleichzeitig dafür, dass dieser Ansatz vom Kleinunternehmen bis zur kritischen Infrastruktur skalierbar bleibt.
3. Community-getriebene Entwicklung auf GitHub
IT-Grundschutz++ verabschiedet sich von isolierter Standardentwicklung. Das BSI setzt auf transparente, community-basierte Weiterentwicklung über GitHub:
- Offene Datenformate: Bereitstellung in JSON und XLSX zur flexiblen Integration in Tools und ISMS-Lösungen
- Agile Updates: Kontinuierliche Verbesserungen statt seltener Großreleases
- Partizipation: Issues, Pull Requests und Discussions ermöglichen aktive Mitgestaltung durch Fachcommunity und Toolhersteller
- Versionierung: Branches und Releases sorgen für Stabilität bei gleichzeitiger Dynamik
Diese Transparenz macht IT-Grundschutz++ zu einem der ersten wirklich agilen Sicherheitsstandards in Deutschland.
Automatisierung in der Praxis: Das Ende manueller Compliance
IT-Grundschutz++ denkt ISMS-Automatisierung in drei aufeinander aufbauenden Phasen:
-
Erfassung
- Automatische Inventarisierung von Systemen, Daten, Diensten und Lieferanten
-
Integration
- Einbettung in CI/CD-Pipelines durch „Smart Standards“ und „Smart Contracts“
- enge Verzahnung von Entwicklung, Betrieb und Compliance
-
Aufrechterhaltung
- Kontinuierliches Compliance-Monitoring
- automatische Sperrungen, Warnungen und Eskalationen bei Abweichungen
Intelligente Metadaten ermöglichen eine präzise Filterung nach Praktiken, Zielobjekten und Handlungswörtern. Organisationen sehen exakt die Anforderungen, die für ihre aktuelle Situation relevant sind – personaliserte Cybersicherheit wird Realität.
Der Paradigmenwechsel von punktuellen Audits hin zu Continuous Compliance verändert ISMS-Management grundlegend.
Aktueller Entwicklungsstand: Wo steht IT-Grundschutz++ heute?
Die Transformation von der statischen Edition 2023 hin zu IT-Grundschutz++ schreitet deutlich voran:
- Die letzte klassische Edition umfasste ca. 1.800 Objekte.
- Das neue digitale Kompendium wächst bereits auf über 7.500 strukturierte Elemente an.
Am 25. Februar 2025 lud das BSI zum digitalen Beteiligungsworkshop „Digitales Kompendium“ ein. In diesem zweistündigen Online-Format konnten Fachexpert:innen:
- das IT-Grundschutz++-Konzept kennenlernen,
- Formate für Unterstützung und Pilotierung entwickeln
- und Commitment für eine aktive Mitwirkung in der Pilotphase geben.
Weitere Sessions dieser Art sind geplant.
Wenn Sie Fragen zu BSI IT-Grundschutz oder IT-Grundschutz++ haben, unterstützen wir Sie gerne – schreiben Sie uns einfach eine E-Mail.

Redaktion
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