KRITIS im Compliance-Dschungel - Synergien zwischen Gesetzen und Standards erfolgreich nutzen

Das BSI-Gesetz bildet das rechtliche Fundament der deutschen KRITIS-Regulierung und definiert in § 8a die zentralen Pflichten für Betreiber kritischer Infrastrukturen. Seit der letzten Novellierung müssen KRITIS-Unternehmen nicht nur angemessene organisatorische und technische Vorkehrungen treffen, sondern auch alle zwei Jahre den Nachweis über die Einhaltung der Mindeststandards erbringen – wahlweise durch Zertifizierung nach ISO 27001 oder durch IT-Grundschutz-Testate. Das IT-Sicherheitsgesetz 2.0 hat diese Anforderungen deutlich verschärft und dem BSI neue Durchgriffsmöglichkeiten verliehen, einschließlich der Ausweitung der Betrachtung auf die gesamte Lieferkette und erweiterte Meldepflichten auch bei versuchten Angriffen.

Key findings:

  • Integrierte ISMS-Strukturen vereinen alle regulatorischen Anforderungen unter einem Dach
  • Automatisierung durch GRC-Tools minimiert Compliance-Risiken und reduziert Aufwände
  • Proaktive Integration bereitet optimal auf zukünftige Regulierungsentwicklungen vor
Erfahren Sie, wie KRITIS-Unternehmen die Komplexität von BSI-Gesetz, NIS2, DSGVO und branchenspezifischen Standards erfolgreich meistern. Praktische Tipps für integrierte ISMS-Ansätze, Automatisierung und Synergien zwischen verschiedenen Compliance-Anforderungen.

Die NIS2-Richtlinie erweitert den Kreis der regulierten Unternehmen erheblich und harmonisiert die Cybersicherheitsanforderungen auf europäischer Ebene. Während das deutsche KRITIS-Regime bisher auf wenige, besonders kritische Sektoren fokussierte, bringt NIS2 neue Bereiche wie die Sozialversicherung, erweiterte Bereiche der Energiewirtschaft und digitale Dienste in den Regulierungsbereich. Für bereits unter KRITIS fallende Unternehmen bedeutet dies eine Doppelung der Aufsichtsstrukturen und teilweise unterschiedliche Anforderungen an Risikomanagement und Meldeverfahren, wobei die Richtlinie einheitliche Sanktionsmechanismen mit Bußgeldern von bis zu 2% des weltweiten Jahresumsatzes einführt.

Die Datenschutz-Grundverordnung schafft wichtige Berührungspunkte zur KRITIS-Regulierung, da beide Regelwerke auf den Schutz kritischer Informationen und Systeme abzielen. Besonders bei Cybersicherheitsvorfällen überschneiden sich die Meldepflichten: Während das BSIG Störungen der IT-Sicherheit an das BSI zu melden sind, verlangt die DSGVO bei Datenschutzverletzungen eine parallele Meldung an die Datenschutzaufsicht binnen 72 Stunden. Die technischen und organisatorischen Maßnahmen nach Art. 32 DSGVO ergänzen die KRITIS-Mindeststandards um datenschutzspezifische Sicherheitsanforderungen, wodurch Unternehmen ihre ISMS-Strukturen so gestalten müssen, dass sie sowohl Cybersecurity- als auch Privacy-Anforderungen integriert adressieren.

Branchenspezifische Regulierung: Sektorale Vertiefungen

Energiewirtschaft: EnWG

Das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) ergänzt die allgemeinen KRITIS-Anforderungen um spezifische Regelungen für die Energieversorgung und schafft dabei teilweise parallele Compliance-Strukturen. Die §§ 11 und 16b EnWG verpflichten Energieversorgungsunternehmen zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit, was explizit auch Cybersicherheitsmaßnahmen umfasst. Während KRITIS-Betreiber ihre Meldungen an das BSI richten, müssen Energieunternehmen zusätzlich die Bundesnetzagentur über Störungen informieren, was zu doppelten Berichtspflichten und unterschiedlichen Bewertungsmaßstäben führt.

Gesundheitswesen: KHZG

Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) verknüpft Digitalisierungsförderung mit Cybersicherheitsanforderungen und schafft damit neue Compliance-Dimensionen für Gesundheitseinrichtungen. Die Förderung digitaler Infrastrukturen ist an den Nachweis angemessener IT-Sicherheitsmaßnahmen gekoppelt, wodurch Krankenhäuser faktisch zu einer Parallelimplementierung von KHZG-Sicherheitsstandards neben den KRITIS-Anforderungen verpflichtet werden. Besonders komplex wird dies durch die besonderen Schutzanforderungen für Patientendaten, die über die allgemeinen DSGVO-Bestimmungen hinausgehen und spezielle Sicherheitsarchitekturen erfordern.

Luftfahrt: LuftSiG

Das Luftsicherheitsgesetz (LuftSiG) erweitert die traditionelle Aviation Security um Cybersicherheitsaspekte und schafft damit eine Brücke zwischen physischer und digitaler Sicherheit. Flughäfen und Flugsicherungsorganisationen müssen neben den KRITIS-Anforderungen auch spezielle luftfahrtrechtliche Sicherheitsstandards erfüllen, die internationale ICAO-Vorgaben umsetzen und oft strenger sind als die allgemeinen IT-Sicherheitsbestimmungen. Die kritischen Air Traffic Management-Systeme unterliegen dabei sowohl nationaler als auch internationaler Aufsicht, was komplexe Abstimmungsprozesse zwischen verschiedenen Behörden erfordert.Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) verknüpft Digitalisierungsförderung mit Cybersicherheitsanforderungen und schafft damit neue Compliance-Dimensionen für Gesundheitseinrichtungen. Die Förderung digitaler Infrastrukturen ist an den Nachweis angemessener IT-Sicherheitsmaßnahmen gekoppelt, wodurch Krankenhäuser faktisch zu einer Parallelimplementierung von KHZG-Sicherheitsstandards neben den KRITIS-Anforderungen verpflichtet werden. Besonders komplex wird dies durch die besonderen Schutzanforderungen für Patientendaten, die über die allgemeinen DSGVO-Bestimmungen hinausgehen und spezielle Sicherheitsarchitekturen erfordern.

Synergien und Überschneidungen: Effizienz durch Integration

Gemeinsame Governance-Strukturen

Ein integriertes Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) kann als übergeordnete Dachstruktur alle Compliance-Anforderungen von KRITIS über NIS2 bis hin zu DSGVO und branchenspezifischen Regularien koordinieren. Durch die Etablierung einheitlicher Governance-Gremien, die sowohl IT-Sicherheits- als auch Datenschutz- und branchenspezifische Compliance-Themen behandeln, lassen sich Doppelstrukturen vermeiden und Entscheidungsprozesse beschleunigen. Das Risikomanagement profitiert besonders von dieser Integration, da viele Bedrohungsszenarien mehrere Regelwerke gleichzeitig betreffen und eine holistische Bewertung effektiver ist als separate Risikoanalysen für jeden Standard.

Automatisierung und Tool-Unterstützung

Moderne GRC-Plattformen (Governance, Risk & Compliance) ermöglichen es, die verschiedenen regulatorischen Anforderungen in einem einheitlichen System zu verwalten und dabei Überschneidungen automatisch zu identifizieren und zu nutzen. Monitoring-Systeme können gleichzeitig die Einhaltung von KRITIS-Mindeststandards, ISO 27001-Controls und DSGVO-Maßnahmen überwachen, während automatisierte Reporting-Funktionen die verschiedenen Meldepflichten an BSI, Datenschutzaufsicht und Fachaufsichtsbehörden effizient erfüllen. Die Integration von Incident Response-Prozessen in diese Plattformen stellt sicher, dass bei Sicherheitsvorfällen alle relevanten Meldewege automatisch ausgelöst und die unterschiedlichen Meldefristen eingehalten werden, wodurch das Risiko von Compliance-Verstößen erheblich reduziert wird.

Step by step towards certifiable ISMS

Mit dem ISMS Tool von fuentis implementieren Sie aktuelle Standards automatisiert und effizient. Unsere schlüsselfertigen Module, Workflows und Expertenunterstützung machen den Aufbau eines ISMS einfach und zeitsparend – egal, ob Sie von Grund auf neu beginnen oder bestehende Systeme anpassen.

Multi-Compliance ISMS

Vollständiges ISMS Tool, das Sie unkompliziert zur ISO 27001 Zertifizierung führt und gleichzeitig andere Compliance-Anforderungen abdeckt. Wir sprechen Compliance, ob Grundschutz, TISAX® oder NIS2.

Automated processes

Automatisierte ISMS Prozesse und Workflows, die Sie Schritt für Schritt durch den Zertifizierungsprozess führen – auch ohne Vorkenntnisse.

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Personal support

Personal support from experienced consultants who clearly explain what needs to be done – from the initial analysis to audit assistance.​

Synergien und Überschneidungen: Effizienz durch Integration

Gemeinsame Governance-Strukturen

Ein integriertes Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) kann als übergeordnete Dachstruktur alle Compliance-Anforderungen von KRITIS über NIS2 bis hin zu DSGVO und branchenspezifischen Regularien koordinieren. Durch die Etablierung einheitlicher Governance-Gremien, die sowohl IT-Sicherheits- als auch Datenschutz- und branchenspezifische Compliance-Themen behandeln, lassen sich Doppelstrukturen vermeiden und Entscheidungsprozesse beschleunigen. Das Risikomanagement profitiert besonders von dieser Integration, da viele Bedrohungsszenarien mehrere Regelwerke gleichzeitig betreffen und eine holistische Bewertung effektiver ist als separate Risikoanalysen für jeden Standard.

Automatisierung und Tool-Unterstützung

Moderne GRC-Plattformen (Governance, Risk & Compliance) ermöglichen es, die verschiedenen regulatorischen Anforderungen in einem einheitlichen System zu verwalten und dabei Überschneidungen automatisch zu identifizieren und zu nutzen. Monitoring-Systeme können gleichzeitig die Einhaltung von KRITIS-Mindeststandards, ISO 27001-Controls und DSGVO-Maßnahmen überwachen, während automatisierte Reporting-Funktionen die verschiedenen Meldepflichten an BSI, Datenschutzaufsicht und Fachaufsichtsbehörden effizient erfüllen. Die Integration von Incident Response-Prozessen in diese Plattformen stellt sicher, dass bei Sicherheitsvorfällen alle relevanten Meldewege automatisch ausgelöst und die unterschiedlichen Meldefristen eingehalten werden, wodurch das Risiko von Compliance-Verstößen erheblich reduziert wird.

Conclusion

Die Compliance-Landschaft für KRITIS-Unternehmen wird durch die Vielzahl überlappender Gesetze, Richtlinien und Standards zunehmend komplex, bietet aber gleichzeitig erhebliche Effizienzpotentiale durch intelligente Integration. Während BSI-Gesetz, IT-Sicherheitsgesetz, NIS2 und DSGVO das übergeordnete Regulierungsframework bilden, ergänzen branchenspezifische Anforderungen wie EnWG, KHZG und LuftSiG dieses um sektorale Besonderheiten. Der Schlüssel zum erfolgreichen Umgang mit dieser Komplexität liegt in der Etablierung integrierter ISMS-Strukturen, die alle Anforderungen unter einem Dach vereinen und durch Automatisierung sowie moderne GRC-Tools unterstützt werden. Unternehmen, die frühzeitig auf diese ganzheitlichen Ansätze setzen, können nicht nur Compliance-Risiken minimieren und Kosten reduzieren, sondern sich auch optimal auf zukünftige regulatorische Entwicklungen vorbereiten.

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